Mein Heimatort Höxter ist eigentlich nicht bekannt für Events die man als extravagant oder glamourös bezeichnen könnte und so kommt es, dass ich doch den ein oder anderen Tag mehr auf dem Sofa verbringe als mir eigentlich recht ist.

Doch dieses Wochenende, genauer gesagt das Wochenende vom 19. Juli – 20. Juli hatte etwas zu bieten. Also schnell die SD Karten geleert, die Akkus gefüllt kurzer Blick auf das örtliche Wetterradar: Mist… Lieber doch mit Schirm vor die Tür 🙂

Mein Ziel: Das Örtchen Bosseborn. Vor 30 Jahren gab es dort das erste Leistungsvergleichs Bergrennen auf der Kreisstraße nach Ottbergen, ganz im Stil der guten alten Zeit.

Ich hatte keine Ahnung was mich erwarten würde, aber mich hatte die Neugier gepackt und als man mir am Ende der Welt (nachdem ich ca. einen Kilometer in der Wildnis den falschen Weg gewählt hatte, den Irrtum festgestellt und noch mal einen Kilometer in die entgegengesetzte Richtung zurückgepilgert war) konnten mich auch die 5 Euro Eintritt die Der Spaß am Ende der Welt kosten sollte nicht mehr aufhalten.

Erster Anlaufpunkt: Bratwurstbude / Getränkestand. Wasser 1 Euro Cola 1,50 Euro – gut verdursten würde ich wohl nicht hier draußen. Dennoch war die Hitze unbeschreiblich. Bereits nach 30 Minuten war mein Kameragurt als auch das darunter ansässige T-Shirt vollkommen durchnässt. Und das ganz ohne Regen.

Nach der Nahrungsmittelaufnahme ging es dann an die Strecke. Es gab Streckenposten, Leitplanken, Strohballen, bunte Banner und Reifenspuren auf der Straße. Fantastisch 🙂 Ein kurzer Blick in die Runde verriet: Du bist nicht allein. Ein gutes Dutzend Fotobegeisterte scharte sich um die besten Positionen an und hinter den Strohballen. Ich musste also Improvisieren.

Man hört ja oft von Insekten die sich am Blut anderer Säuger erfreuen sobald sich diese leichtsinnig (wie ich als Fotograf nun mal bin) in diverse Wiesen, Büsche und Heckenähnliche Grünanlagen begeben. Egal – ich wollte wie immer mehr als der Rest, also rein ins Grün. Merkwürdigerweise waren es nicht die Zecken die mich in meinem Tun störten, als vielmehr der verärgernde Gedanke das ich mir doch KEIN 70-200 2.8 VRII gegönnt hatte. Mit meinen 50mm war ich also recht kurz unterwegs. Für den Rennsport in Aktion nur Bedingt zu empfehlen wie ich schmerzlich feststellen musste. Aber wie sagte schon mein Großvater: „Man muss nehmen was man bekommt“. Und da Der Media Markt am Sonntag gewöhnlich geschlossen hat blieb ich bei meinem geliebten AF-S 50mm 1.8g.

Nach einiger Zeit hatte ich die ersten Schüsse im Kasten und das Gefühl – das wars doch jetzt nicht – machte sich breit. Ich erkundigte mich wohin das bunte Flatterband (welches mich auch in die besagte Kurve geführt hatte) mich führen würde wenn ich ihm durch den Wald folge. Man sagte mir ich würde zuerst in Stück von der Strecke weg und dann auf eine Fläche an der Slalomschikane gelangen. Der Weg wäre aber nicht so Klasse und hier wäre sowieso der beste Platz. Der Dickkopf ist meine Natur, Ich ging trotzdem los 🙂

Vor mir ein älteres Pärchen mit Wanderschuhen und Rucksack. Ich mit DSLR Shorts und Turnschuhen hinterher. Laut der bunten Suchmaschine/Maps bin ich bis dato bereits 5km zu Fuß gewesen, aber der Wille mehr zu erleben trieb mich an. Im Kniehohen  teils zertrteenen Gras scherzte ich „die Zecken sind wohl schon alle weg“: Keine Antwort. Naja, wenigstens die Fußspuren verrieten mir ich bin nicht allein.

Der Weg hatte sich aus fotografischer Sicht gelohnt. Auf der ca. 300m langen schnurgeraden Strecke befand sich ein Slalom Hindernis. Die Fahrer mussten also aus voller Fahrt ordentlich den Anker werfen und genauso fix wieder auf Tempo kommen. Tatsächlich eine recht interessante Sache wenn man die Gelegenheit hat den Rallyefahrer mit dem Amateur zu vergleichen. Hier bot sich das ein oder andere Schauspiel das sich zum Fotografieren anbot. Der unschöne Beingeschmack waren wieder meine Freunde die Blutsauger welche bevorzugt zum Angriff riefen wenn ich die Kamera im Anschlag hatte.

Nachdem ich das Bremsenverseuchte Kornfeld verlassen hatte kam ich an eine Haarnadelkurve. Hier oder nirgends dachte ich und schoss los. Ich hatte mir den ein oder anderen Drift gewünscht, aber im großen war das Event ja auf Amateure ausgelegt. Ich gab mich zufrieden mit dem was ich bekam. und auf der nächsten Geraden gab man mir erneut die Chance das ein oder andere Schmuckstück einzufangen.

Einer der Streckenposten bot mir sogar an im Hubsteiger über der Strecke zu Knipsen. Ich lehnte dankend ab und ärgerte mich erneut das 70-200 nicht zu besitzen.

Über die in regelmäßigen Abständen verteilten Lautsprecher wurde stets Informiert wer wann wo fahren würde. Und so wusste ich nach diesem Durchgang ist Zeit für ein Wasser. Die Wetterlage hatte sich zum fast unerträglichen gesteigert und ich beschloss den Rückweg. ich hatte immerhin noch 3km Weg vor mir und ich war schon 3h unterwegs.

Aber ich hatte noch immer nicht genug 🙂 Ich wollte ins Fahrerlager. Also auf nach Ottbergen. Doch zuerst durchs Kornfeld und durch den Wald, den ganzen Weg zurück zum Auto. Egal. Ich wollte nur duschen und ein frisches T-Shirt.

Zuhause angekommen fix geduscht, die SD Karte gesichert und auf nach Ottbergen. Bei der Straßensperre angekommen waren es auch nur noch 500m vom Parkplatz bis ins Fahrerlager, gefühlte  weitere 800 bis zur Start Linie. Bratwurstbude und Bierstand ignorierte ich. Mein erneut durchnässtes T-Shirt ließ sich nicht ignorieren.

Aber auch hier lohnte sich der Weg. Es ist schon beeindruckend wenn 800PS aus einem Camaro an Asphalt und Auto reißen. Dennoch trieb mich die Erschöpfung zurück ins Schattige Fahrerlager. Und nach einer großen Cola knöpfte ich mir noch den ein oder anderen Wagen vor. Mein persönlicher Star neben dem Camaro war ganz klar der Ford Gt40. Aber auch andere Vertreter wie BMW Opel und Fiat hatten reizende Vertreter ihrer Art geschickt um ihre Embleme und Pferde zu präsentieren.

Fazit

Der Berg ruft: Ein schönes Motto. Und was vor 30 Jahren tausende Besucher angezogen hat ist auch heute noch ein sehenswertes aber vor allem gut organisiertes Schauspiel. Schöne Ecken zum gucken, Bratwurst essen oder Bier trinken. Super Preise, nette Menschen und Irre Karren auf dem Asphalt. Auf gar keinen Fall nur für Fotobegeisterte und Rennsport Fans.

2015 bin ICH garantiert wieder dabei.